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Therapie - Wie wird Rheuma behandelt?

Dank moderner Therapien lassen sich rheumatische Erkrankungen heute sehr effektiv behandeln, so dass Betroffene ein nahezu normales Leben führen können. Zur Behandlung stehen eine Reihe unterschiedlicher Therapiebausteine zur Verfügung. Da Rheuma nicht gleich Rheuma ist und die Krankheit bei jedem Patienten anders verlaufen kann, muss die Therapie individuell auf den Betroffenen abgestimmt werden. Die intensive Forschung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Behandlung mit wirksamen Präparaten innerhalb der ersten Jahre besonders erfolgreich ist und irreparable Schäden an den Gelenken oder Organen vermeiden kann. Dazu ist es erforderlich, die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen sinnvoll miteinander zu kombinieren.

Ein umfassendes Behandlungskonzept umfasst die medikamentöse Therapie, physio- und ergotherapeutische Anwendungen und eine gesunde Lebensweise.

Methoden zur Rheumabehandlung

  • Medikamentöse Therapie (z. B. Schmerzmittel, Kortison, Basistherapeutika, Biologika)
  • Physikalische Therapie (z. B. Wärme, Kälte, Massagen, Elektrotherapie)
  • Operative Therapie (z. B. Korrektur bei Gelenkfehlstellungen oder Funktionseinschränkungen, Gelenkersatz)
  • Krankengymnastik / Physiotherapie
  • Ergotherapie (z. B. Gelenkschutztraining, Anpassungen in Haushalt, Beruf und Freizeit, Hilfsmittelversorgung)
  • Psychologische Maßnahmen (z. B. psychologische Schmerzbewältigung, Entspannungstraining, seelische Stützung und Begleitung)
  • Alternative Heilmethoden

Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen

Physio- und Ergotherapie

physiotherapie

Um Schmerzen zu vermeiden, neigen viele Rheuma-Patienten dazu, sich möglichst wenig zu bewegen. Doch das ist falsch! Ein Bewegungsprogramm, das gezielt auf die jeweilige Erkrankung abgestimmt ist, ist wichtig, um die Gelenkigkeit zu erhalten, Schmerzen zu lindern, Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu kräftigen. Langfristig sollen Sie als Patientin oder Patient dieses Programm regelmäßig und selbstständig durchführen. Zu Beginn benötigen Sie jedoch Unterstützung. In der Ergotherapie lernen Sie, alltägliche Aktivitäten möglichst gelenkschonend auszuführen und Schonhaltungen zu vermeiden. Ein Physiotherapeut wird Ihnen geeignete Übungen zeigen, die sich langsam steigern lassen. Liegen bereits Bewegungseinschränkungen vor oder sind die Schmerzen zu groß, wie das häufig bei Fibromyalgie der Fall ist, können krankengymnastische Übungen auch im warmen WasserBei Erkrankungen des Bewegungsapparats ist Wärme nicht immer das Allheilmittel. Auch Kälte kann im akuten Krankheitsstadium eine schmerzstillende, abschwellende und muskelentspannende Wirkung haben. Entsprechend können Wärme- und Kältepackungen auch selbstständig durchgeführt werden. erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Für die medikamentöse Behandlung von Rheuma stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Das eine Medikament, das die Erkrankung heilt, gibt es leider nicht. Bei der medikamentösen Therapie unterscheidet man zwischen den sogenannten Basistherapeutika, die eine Langzeitwirkung auf den Krankheitsverlauf haben, indem sie die Gelenkzerstörung eindämmen, den Soforttherapeutika, die vor allem die Symptome lindern, und Biologika, die gezielt in die Immunreaktion des Körpers eingreifen und so den Entzündungsprozess aufhalten.

Biologika vs. Biosimilar?

Die Entwicklung eines neuen Medikaments ist aufwändig und teuer. Deshalb gewährt das Patentrecht Pharmafirmen eine Zeit lang das alleinige Vermarktungsrecht, bevor auch andere Unternehmen ein Generikum* auf den Markt bringen und billiger verkaufen dürfen.

Bei Kopfschmerztabletten oder vergleichbaren Mitteln wirken die Nachahmerprodukte genauso gut wie das Original. Doch bei sogenannten Biosimilars (engl. similar = ähnlich) handelt es sich nicht um identische Kopien des Referenzpräparats. Daher empfiehlt die Deutsche Rheumaliga e.V.: "Patienten, deren Erkrankung mit einem Biologikum gut unter Kontrolle ist, sollten nicht auf ein Biosimilar wechseln, nur weil es billiger ist. Ein Wechsel sollte nur aufgrund medizinischer Überlegungen und Notwendigkeiten stattfinden."

*Pharmazeutische Unternehmen lassen sich neu entwickelte Arzneiwirkstoffe patentieren. Der Patentschutz gilt 20 Jahre und gibt ihnen in dieser Zeit das alleinige Recht, den Wirkstoff herzustellen und zu vermarkten. Läuft der Patentschutz aus, können auch andere Unternehmen diesen Wirkstoff produzieren und unter einem anderen Namen verkaufen. Solch ein Präparat wird als Nachahmerprodukt oder Generikum (Mehrzahl: Generika) bezeichnet. Generika sind in der Regel preiswerter als die Originalpräparate, weil der Hersteller keine eigene Forschung betreiben musste, sondern vom abgelaufenen Patentschutz eines Arzneimittels profitiert. Auch Generika werden vor ihrer Zulassung durch das BfArM nach strengen Kriterien geprüft und überwacht.

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, www.bfarm.de

Therapie degenerativer Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen

Wie bei entzündlichem Rheuma stellen auch bei Arthrose die physikalische Therapie, Krankengymnastik, Funktions- und Muskeltraining wichtige Bausteine der Behandlung dar, um die Beweglichkeit zu erhalten. Als Medikamente kommen hauptsächlich Schmerzmittel und NSAR zum Einsatz, die jedoch nur bei Bedarf eingenommen werden sollten. Liegt der Arthrose eine Fehlstellung zugrunde, empfiehlt sich eine korrigierende Operation. Über- und Fehlbelastungen sind zu vermeiden.

Therapie von Weichteilrheumatismus

Weichteilrheumatismus und speziell Fibromyalgie stellen für jeden Arzt eine therapeutische Herausforderung dar, da die Erkrankung nicht auf einer einzelnen erkennbaren Ursache beruht. Die Therapie erfordert viel Geduld und ein umfassendes Therapiekonzept, das aus folgenden Elementen bestehen kann:

  • Medikamente
  • Physikalische Therapie
  • Krankengymnastik
  • Entspannung
  • Psychotherapie
  • Alternative Behandlungsmethoden
  • Ernährung

Da nur ein Drittel der Patienten auf Medikamente ansprechen, bedarf es ohnehin ergänzender Maßnahmen. Cortison hilft bei Fibromyalgie nicht und auch Schmerzmittel haben nicht immer einen lindernden Effekt. Das muss im Einzelfall getestet werden. Bei der medikamentösen Therapie ist grundsätzlich zu beachten, dass derzeit kein Medikament für die Behandlung von Fibromyalgie zugelassen ist. Hilfreich sind in vielen Fällen Antidepressiva, die zugleich die begleitenden Schlafstörungen behandeln, oder auch Antileptika.

Therapie von Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden

Bei Gicht ist das langfristige Ziel der Behandlung die Senkung des Harnsäurespiegels im Blut durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten (Umstellung auf purinarme Kost) und Abbau von Übergewicht. In manchen Fällen sind zusätzlich Medikamente nötig. Diese werden unterschieden in Urikostatika, die die Bildung von Harnsäure hemmen, und Urikosurika, die die vermehrte Ausscheidung von Harnsäure fördern. Bei einem akuten Gichtanfall ist schnelle Hilfe angesagt. Hier empfehlen sich kühle Umschläge und Medikamente wie Kortison und NSAR.

Grundlage der Osteoporose-Therapie ist die ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D, um einen weiteren Knochenabbau zu vermeiden. Wann und in welchen Fällen zusätzliche Medikamente notwendig sind, ist für den Arzt nicht immer leicht zu entscheiden. Ein Warnsignal ist der osteoporotische Knochenbruch, bei dem ein Mittel aus der Gruppe der Biophosphonate verordnet wird, die den Knochenabbau zusätzlich verlangsamen und weitere Knochenbrüche verhindern.

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